Martin Stather


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Dr. Martin Stather,
Exhibitions Director, Mannheimer Kunstverein


Susana Reberdito, Océanus-Malerei, 2001

Früchtestillleben, Palmen und Landschaften – Susana Reberditos Arbeiten breiten ein Bild südlichen Lebens vor uns aus. […] Saftige Früchte, weite Strände, die Gewaltigkeit des Meeres und der Brandung. Ihre Malerei setzt größtenteils auf die Fläche und beschränkt sich auf jeweils wenige Einzelformen, die sie ins Bild setzt. […] Die Formen sind bewusst summarisch gewählt, wie ein Bild der Erinnerung, das Details für nebensächlich erklärt. Trotz der Flächigkeit ihrer Erscheinung setzt sich die Malerei jedoch aus vielen übereinanderliegenden Schichten zusammen, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen und eine differenzierte, sehr malerische Oberfläche zeigen. Der erste Blick zeigt ein plakatives Motiv, der zweite geht tiefer. Die kraftvollen, leuchtenden Farben wirken in den Raum hinein und öffnen das Bild wie ein Fenster mit Fensterbrettern dargestellt, Ausblicke aufs Meer, auf eine unbestimmte Landschaft der Sehnsucht. Hin und wieder finden sich beschreibende Titel als Schriftzüge im Bild. Beispielsweise ist ein Bild beschriftet: „Stilleben mit Orangen und Bananen, mit einem Fenster, das tatsächlich auf das Meer schauen könnte, aber weil das nur eine Illusion ist, sieht man nichts, gar nichts.“ Susana Reberdito spielt mit der Malerei und mit der Erwartung des Betrachters; natürlich sehen wir Früchte, Licht, das Meer, aber da all das natürlich Malerei ist, sehen wir stellvertretend für die Früchte und das Meer eben Malerei. Alle Malerei ist mehr oder weniger Illusion, ein Taschenspielertrick auf höchstem Niveau, der uns täuscht. Die Täuschung allerdings, der wir zum Opfer fallen, ist unsere eigene, die unserer Sehgewohnheiten. In immer neuen Variationen geht die Künstlerin ihre Themen an, schafft auf diese Art und Weise Serien, die verschiedene Gesichtspunkte des Gleichen beleuchten. Besonders in den kleinen Serien gibt es dezidierte Abfolgen, tendieren die Bilder zu immer weitergehender Abstraktion […] Auf schwarzen Grund spiegelt sich das blaue Wasser in Reflexen wie im Mondlicht, schafft eine wunderbar poetische Atmosphäre, die der nachvollziehen kann, der nachts schon einmal am Meer gesessen ist und dem Rauschen der Brandung gelauscht hat. Wie viel anders das große Bild mit den Wellen, die aussehen wie von Kinderhand gemalt, Kürzel für eine Bewegung, die sich immer wieder wiederholt, ohne Ende. Das Bildformat lässt die Gewalt der Wellen ahnen, die die Küste langsam und beharrlich zu feinem Sand zerreibt.

Auffallend ist, dass Susana Reberdito oft zwei Elemente in ihren Bildern gegenüberstellt: Fläche und Kontur, die miteinander streiten und sich verbinden. Die Kontur lässt in vielen Fällen eine tiefere Malschicht sehen, bis auf die sie durchgekratzt ist. Auf diese Weise wird die Form des Bildaufbaus aus vielen Schichten transparent, agieren Farbe und Form miteinander. Manches Mal erscheinen die Bilder wie ein Farbnegativ, sorgsam wird die Farbwahl getroffen, leuchtende Farben, die sich optisch gegenseitig noch steigern in ihrer Wirkung. […] Die Künstlerin erschafft in ihren Bildern mit denkbar sparsamen Mitteln eine Atmosphäre eine Lichtes, das die Augen beinahe blendet, und wohltuender Wärme, wie sie südliche Gefilde kennzeichnet, und wie wir sie uns in langen Wintermonaten erträumen. Darüber hinaus untersucht sie die konzeptuellen Serien, die visuelle Wirkung der Farben, arbeitet akribisch an der Untersuchung malerischer Phänomene. Was zunächst vielleicht einfach aussieht, erweist sich nach und nach als komplexes malerisches System. Der Betrachter kann wählen was er sehen möchte: Stillleben, Palmenstrände oder einfach die Illusion derselben, also Malerei.