Hans Gercke


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Hans Gercke,
Kunstkritiker, Honorarprofessor an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, bis 2006 Direktor des Heidelberger Kunstvereins


Susana Reberdito, Naranjas, Februar 2013

Sonne, Licht, Strand, Meer, Bäume, Früchte, Blumen – die Malerei der 1962 in San Sebastián geborenen, in Madrid und New York ausgebildeten, seit 1995 in Walldorf ansässigen Künstlerin ist eine Kunst des Südens, kraftvoll, lebendig, strahlend und wärmend. Die expressive Dynamik des gestischen Duktus und die Glut der Farben dieser Bilder erinnern an die Rhythmik und Melodik von Susana Reberditos Muttersprache, an die dramatische Intensität iberischer Musik und die herbe Klarheit spanischer Landschaft. Diese Malerei wurzelt in den Traditionen mediterraner Klassik, interpretiert deren Motivkanon, Gattungsspektrum und Formenvokabular jedoch auf neue, individuelle und authentische Weise. Bemerkenswert ist dabei die Beschränkung der Mittel und Motive, aus der sowohl eine erstaunliche Konzentration als auch eine faszinierende Vielfalt resultieren, die sich in der seriellen Variation gleicher oder ähnlicher Sujets immer auch als systematische Untersuchung malerischer Möglichkeiten erweist. Als auffallend hebt Martin Stather in einem 2001 verfassten Text hervor, „dass Susana Reberdito oft zwei Elemente in ihren Bildern gegenüberstellt: Fläche und Kontur, die miteinander streiten und sich verbinden. Die Kontur lässt in vielen Fällen eine tiefere Malschicht sehen, bis auf die sie durchgekratzt ist. Auf diese Weise wird die Form des Bildaufbaus aus vielen Schichten transparent, agieren Farbe und Form miteinander. Manches Mal erscheinen die Bilder wie ein Farbnegativ, sorgsam wird die Farbwahl getroffen, leuchtende Farben, die sich optisch noch steigern in ihrer Wirkung.“ Das geschilderte „duale System“ lässt sich auf vielen Ebenen beobachten und macht wesentlich den Reiz und die Kraft dieser Bilder aus, die nicht als ablösbares Resultat eines Prozesses vor uns stehen, sondern immer auch etwas erzählen von der Dynamik ihrer Entstehung. Aus dem Spannungsfeld von Gegenstand und Abstraktion, Tradition und Innovation, Spontaneität und Reflexion, Intellekt und Intuition, Einfachheit und Komplexität, von Fläche und Schichtung, Farbe und Linie, kalten und warmen, hellen und dunklen Tönen, von komplementären Gegenüberstellungen, massiver Kontur und zarter Binnenstruktur sowie der Anwendung additiver und subtraktiver Verfahren erwächst ihre spezifische Harmonie.